Interview zum Affiliate Mentoring mit Uli Roth

Daniel Frerichmann | 9. August 2011 - 14:09 | 3 Kommentare

Nach unserem ersten Affiliate Talk zur Affiliate Conference können wir Euch heute bereits ein weiteres Interview mit einer „Branchengröße“ präsentieren. Es freut uns sehr, dass Affiliate Urgestein Ulrich Roth Zeit gefunden hat, uns ein paar Fragen zu beantworten.

Uli Roth auf La Palma

Uli Roth von la-palma.travel

Sein Affiliate-Workshop zum Thema “Erfolgreich in der Nische” bei der Affiliate TactixX gehörte zu den beliebtesten Vorträgen und fand durchweg positives Feedback. Grund genug für uns, noch einmal nachzuhaken und den aktuellen Stand seiner Projekte zu erfragen. Heraus kam dabei eine geballte Ladung Praxiswissen und neue Infos zum Affiliate Mentoring auf La Palma.

Aber lest selbst – hier ist unser Affiliate Talk Teil 2.

1. Hallo Uli, vielen Dank, dass Du uns für affiliatepraxis.de Rede und Antwort stehst und auch ein paar Praxistipps im Gepäck hast. Wir gehen davon aus, dass Du in der Affiliate Branche jedem ein Begriff bist und vielen Nischen-Affiliates vermutlich auch als Vorbild dienst. Seit wann bist Du selbst Affiliate und würdest Du Dich selber noch als solcher bezeichnen?

Ulrich Roth:
Ich bin 2002 zum Affiliate Marketing gekommen. Ich hatte seit 2000 als SEO-Consultant gearbeitet und das war für mich eine sehr unbefriedigende Situation. Kaum ein Kunde verstand, dass das ein Langfristgeschäft ist. Deshalb musste ich, wenn ich recht schnell die anvisierten Ergebnisse erreicht hatte, recht bald meinem vereinbarten Honorar hinterher laufen. Man hat dann selten noch eingesehen, warum ich weiterhin bezahlt werden sollte, wenn man auf den vorderen Plätzen auftaucht.

Daraufhin habe ich nach Alternativen Ausschau gehalten und bin auf das Affiliate Marketing gestoßen. Ich bin schon immer gerne gereist, da war es für mich naheliegend, mich auf die Touristik zu spezialisieren.

Die erste Seite war eine „Ferienhaus-Buchungsseite“. Einen Monat später kam eine Last-Minute-Reise Seite dazu. Das ist dann richtig abgegangen. Die Seiten waren aber nicht Google-Guideline-konform und sind mir deshalb 2004 alle abgeraucht. Da mussten wir wieder von vorn anfangen und haben uns für das Naheliegendste entschieden – Urlaub auf La Palma. Hier sind wir in eine Zwitterrolle geschlüpft. Zum einen erfüllen wir die Kriterien eines Merchants, aber nach wie vor auch die eines Affiliates. Das ist fliessend, da gibt es keine klare Grenzen.

2. Seit wann lebst Du auf La Palma und bist Du noch oft in Deutschland?

Ulrich Roth:
Ich bin 2003 im Mai auf die Insel gezogen. Das war die Verwirklichung einer Vision, die ich schon in jungen Jahren hatte, als ich mich fast 2 Jahre (1980 – 82) in Mittelamerika aufgehalten habe. Leben und arbeiten wo Papaya und Avocados wachsen. Man lebt nur einmal, deshalb sollte man dafür sorgen, dass man sich ein angenehmes Arbeitsumfeld schafft.

Ich bin in der Regel 2 mal im Jahr in Deutschland, wobei ich die Aufenthaltsdauer von Jahr zu Jahr mehr verkürze. Dieses Jahr war ich auf der Affiliate TactixX. Das waren 4 Tage insgesamt, inkl. Reisetage. Im Herbst werde ich nochmal für eine Woche aus familiären Gründen nach Deutschland fliegen. Das reicht für dieses Jahr dann auch.

3. In der Reisebranche herrscht ein harter Wettbewerb. Nicht nur unter den Merchants, sondern auch unter den Affiliates. Keywords sind im SEM recht teuer und auch im SEO sind die „guten“ Begriffe hart umkämpft und es gibt (zumindest auf dem ersten Blick) kaum noch lohnenswerte Nischen. Hast Du ein paar Ratschläge, wie man dennoch erfolgreich werden kann bzw. mit welchen Fehlern man es definitiv nicht wird?

Ulrich Roth:
Das was ich raten kann, gilt nicht nur für die Reisebranche. Nischen gibt es noch genügend. Es geht um Qualität. Wer bereit ist, sich mit Qualität als Problemlöser für seine anvisierte Zielgruppe zu positionieren, hat nach wie vor alle Chancen, auch in stark umkämpften Bereichen. Die meisten Fehler die gemacht werden, sind die Verzettelung sowie die mangelnde Qualität im Content. Es wird häufig aus Unwissenheit nicht darauf geachtet, sich auf die Lösung des dringendsten Problems seiner Zielgruppe zu konzentrieren. Häufig werden nur die Produkte im Preisvergleich dargestellt, letztlich Kopien großer Marktteilnehmer. Auf das Problem, warum ein User eventuell ein spezielles Produkt benötigen würde und welches für ihn dann besser wäre, wird kaum eingegangen. Da wird viel Potential verschenkt, bis hin zum Scheitern. Ist übrigens ein wichtiger Punkt bei meinem Affiliate-Mentoring.

4. Auf der Affiliate TactixX hast Du von Deinem aktuellen Projekt PURAVIDA.flex gesprochen. Wie viel Zeit hast Du bisher darin investiert und wie ist der aktuelle Fortschritt?

Ulrich Roth:
Insgesamt setze ich mit diesem Thema schon seit 2004 auseinander, seit dem ich mit meiner Frau dort 2 Monate Urlaub gemacht habe. Wir haben uns dann aber aus schon erwähntem Anlass erstmal für das Naheliegenste entschieden, das war unser Projekt „Urlaub auf La Palma“. Das haben wir 2005 gestartet und wir haben uns damit ein großes Know How aufgebaut. Zwischendurch habe ich immer wieder am Konzept Urlaub in Costa Rica gearbeitet. 2010 war dann klar, nachdem wir 5 Jahre Erfahrung mit La Palma aufgebaut hatten, wie wir das Projekt Costa Rica angehen werden.

Ich hatte schon frühzeitig einen potentiellen Partner in Costa Rica gefunden, der so gewissenhaft arbeitet und unseren potenziellen Kunden Service-Qualität vor Ort so anbietet, wie wir uns das vorstellen. Auch die SEO-Analysen haben gezeigt, dass wir noch gute Chancen für dieses Projekt besitzen. Der einzige Schwachpunkt war, dass wir noch keine Autoren für den Content hatten.

Fast genau zu der Zeit, als ich den Workshop auf der Affiliate TactixX gehalten habe, hat sich eine wirklich tolle in Costa Rica lebende freie Journalistin bei uns beworben, die nun für uns den gesamten informativen Content recherchiert und schreibt. Wer die Texte liest wird es bestätigen.

Genau das ist ein ganz wesentlicher Punkt, wenn man in eine touristische Nische gehen will: von vorne herein den Anspruch zu haben, Spitzen-Qualität zu liefern und dafür auch bereit zu sein, etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Qualität zahlt sich aus und das Risiko zu scheitern wird vermindert. Wir sind nach wie vor in der Beta-Phase, können aber jetzt schon sagen, dass wir auf einem sehr guten Weg sind. Ich gebe mir ja 5 Jahre Zeit, bis wir „Urlaub in Costa Rica“ auf einem ähnlichen Niveau haben wie „Urlaub auf La Palma“.

5. Du bietest seit kurzem die Möglichkeit an einem Affiliate Mentoring bei Dir auf La Palma teilzunehmen. Erzähl uns doch einmal kurz was das ist und was ich als Teilnehmer davon erwarten kann.

Ulrich Roth:
Ja, ich biete ein Affiliate-Mentoring auf La Palma an. Mentoring ist eine unentgeltliche Leistung, bei der der Mentor den Mentee bzw. Protege fördert und unterstützt.

Ich bin seit 1985 selbständig und arbeite seit dieser Zeit im „Performance Marketing“. Das war bis 1999 im Offlinebereich und danach Online. Ich habe sehr viel Erfahrung gesammelt, die ich nun an jüngere im Affiliate Marketing weiter geben möchte.

Eigentlich geht es in der Woche auf La Palma darum, dass wir, der Mentee und ich, uns kennenlernen und ich mir erst einmal erzählen lasse, bzw. ein Bild davon mache

  • was er/sie macht
  • warum er/sie es macht
  • was er/sie meint, was es seiner Zielgruppe bringen soll.

Daraus ergeben sich recht schnell Fragen, die zu neuen Denkanstößen bei den Teilnehmern führen. Ich helfe dem Mentee, in dieser Woche, die eigenen Projekte und Arbeiten aus anderen Blickwinkeln zu betrachten, über den Tellerrand hinauszuschauen. Das löst in der Regel neue Ideen und Lösungen zu bestehenden Fragen aus. Ich glaube, dass das bei dem ersten Teilnehmer sehr gut funktioniert hat.

Es ist ja häufig so, dass man kaum Menschen in seinem Umfeld findet, wo man offen über Themen, die einen Affiliate beschäftigen, reden kann. Das Umfeld ist da meist überfordert. Somit gart man in seinem eigenen Saft und übersieht dabei oft Dinge oder Lösungsansätze. Hierbei kann ich als Mentor behilflich sein.

Voraussetzung um sich als Mentee bei mir zu bewerben, sollte aber schon sein, dass man schon eine Weile aktiv im Affiliate Marketing Business tätig ist. Das kann der Affiliate sein, aber auch der Merchant, Agenturinhaber oder Manager. Ich bin da offen.

Übrigens lässt sich die Woche ja auch steuerlich geltend machen, da es sich um einen beruflichen Aufenthalt und eine Weiterbildung handelt.

Das Stadthaus „La Huaca“ in Puerto de Tazacorte, welches wir dafür nutzen und wo man auch als Mentee wohnt, bietet die besten Voraussetzungen. Es ist nur 50 m vom Strand entfernt und voll ausgestattet, selbstverständlich auch mit W-Lan.

6. Das Affiliate Mentoring ist kostenfrei und auch auf Konferenzen wie der Affiliate TactixX bist Du sehr auskunftsfreudig mit nützlichen Informationen aus der Praxis. Hast Du keine Angst, Dir dadurch unnötig Konkurrenz zu machen?

Ulrich Roth:
Ja, das Mentoring selbst ist kostenfrei, nur das Haus, der Flug, eventuell ein Mietwagen und Verpflegung müssen selbst getragen werden.

Dass mir dadurch unnötige zusätzliche Konkurrenz entsteht, davor habe ich überhaupt keine Angst. Wer versteht, was ich an Infos und Anregungen vermitteln will, wird meine Anregung für sich verarbeiten, reflektieren und in seinem zukünftigen Handeln mit einfließen lassen. Ich profitiere davon, weil ich dadurch interessante Menschen kennenlerne und mein Netzwerk ausbauen kann.

Uli Roth bei einer Wanderung auf La Palma

Uli beim Wandern auf La Palma

7. Als „alter Hase“ hast Du schon viele Partnerprogramme, Inhouse und bei Netzwerken, gesehen. Was macht ein gutes Programm aus und wie kann man Dich zur Teilnahme daran begeistern?

Ulrich Roth:
Am einfachsten fällt es mir, mich für ein Programm zu begeistern, wenn ich das ehrliche Gefühl vermittelt bekomme, dass an einer „Partnerschaft“ mit mir im engsten Sinn des Wortes Interesse besteht. Bei der Zahl der mittlerweile angebotenen Programme kommen da nur ganz wenige in Frage. Wichtig ist es auch, dass man mir das Gefühl vermittelt, zu mir zu halten, auch wenn es mal nicht ganz so gut läuft. Was mich gar nicht anmacht, eher sogar abstößt, sind diese Rallyes. Wer meint mich damit locken zu können, versteht nicht, wie ich arbeite. Ich gehe bevorzugt strategische Partnerschaften ein. Das heißt, ich suche mir gezielt ein paar wenige Partner zu einem Projekt und baue darum den Content und die Problemlösung für den User auf. Das bedeutet, dass ich langfristig plane. Also in Zeiträumen von mindestens 3-5 Jahren bis ein Projekt die Größenordnung erreicht wo ich es haben will. Da kommt am Anfang für den Merchant noch recht wenig. Da braucht man einen langen Erwartungshorizont. Dafür lohnt es sich dann aber auch, wenn die Zeit gekommen ist.

Es ist ja durch meine Vorträge auf der Affiliate TactixX bekannt, dass ich ausschließlich Whitelabel-Programme bevorzuge und nutze. Der Grund ist sehr einfach. Bei Programmen wo man den User auf eine andere Seite (Merchant-Seite) schickt, gehen ca. 50% aller Sales aus unterschiedlichen Gründen verloren. Dies wird auf Konferenzen nicht oder zu wenig thematisiert. Ich kenne kein Programm, welches diesen Umstand in seiner Provisionshöhe berücksichtigt – also eher ein unpartnerschaftliches Verhalten aus meiner Sicht.

Beim Whitelabel behalte ich den User auf meiner Seite und kann den Sale/Lead bei mir durchziehen, bzw. kann durch die Qualität meiner Seite den User dazu bringen, wieder auf meine Seite zurückzukehren, sobald die Kaufentscheidung gefallen ist. In der Touristik   können zwischen Erstkontakt und Entscheidung zur Buchung schon mal 6 Monate vergehen. Da sind die Verluste, wenn man nicht mit Whitelabel arbeitet, immens.

8. Was hältst Du generell von Netzwerken und Agenturen?

Ulrich Roth:
Netzwerke nehmen eine wichtige Stellung im Affiliate Marketing als Schnittstelle zwischen den verschiedenen Teilnehmern ein. Ich persönlich werde aber nicht so richtig warm mit ihnen. Auch da bevorzuge ich den direkten Kontakt. Das wird dann meistens auch Inhouse zwischen mir und dem Merchant abgewickelt.

Agenturen haben auch ihre Berechtigung, die sehe ich aber mehr in der Beratung. Der Affiliate-Manager bzw. Beziehungsmanager sollte meiner Ansicht nach auf jeden Fall Inhouse angesiedelt sein, das ist deutlich besser für den Kommunikationsfluss zwischen Merchants und Affiliates. Ich bevorzuge das auf jeden Fall und es ist sogar ein KO-Kriterium für ein stärkeres Engagement, wenn das nicht gewährleistet ist.

9. Zum Abschluss kannst Du uns noch etwas zu Deinen aktuellen Plänen sagen. Was können wir als nächstes von Dir erwarten? Auf welchen Kongressen können wir Dich treffen?

Ulrich Roth:
Die nächste geplante Teilnahme eines Events in Deutschland ist die SEO CampixX 2012 in Berlin, die zeitgleich mit der Internationalen Tourismus Börse – ITB-Berlin statt findet, die ich auch besuchen werde. Da werde ich mich bei meiner geplanten Session mit dem Thema „Beziehungsmanagement statt Linkbuilding“ auseinandersetzen. Ich werde aufzeigen, wie beim Beziehungsmanagement der klassische Linkbuilder überflüssig ist und der Affiliate-Manager, der diese Rolle übernimmt, auf natürlichem Wege die begehrten Backlinks als Nebeneffekt erzeugt. Also ganz im Sinne von Google, echte Empfehlung. Dabei spielt natürlich auch das Thema Social-Media eine ganz wichtige Rolle. Da gibt es ein Riesen-Potenzial, welches fast noch vollständig brach liegt. Es ist die Zukunft, mit der sich alle Onlinemarketer früher oder später auseinandersetzen müssen. Auch hier gilt die Earlybird-Regel, bzw. Gorbatschows berühmter Satz.

„Beziehungsmanagement statt Linkbuilding“ ist das Thema, dem ich mich in den nächsten Jahren intensiv widmen werde. Da ist viel Pionierarbeit zu leisten.

Ich hoffe, ich werde das affiliatepraxis.de Team auf der SEO CampixX 2012 bei meiner geplanten Session antreffen?

An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Uli für die ausführlichen Antworten und die nützlichen Praxistipps. Wir freuen uns, Dich im nächsten Jahr auf der SEO CampixX 2012 anzutreffen und sind gespannt auf Deinen Vortrag. Selbstverständlich werden auch wir vor Ort sein 😉

Autoreninfo
Ich verfüge über langjährige Erfahrungen im Online Marketing mit Spezialisierung auf das Affiliate Marketing. Als Key Account Manager in einer Hamburger Online Marketing Agentur, als Affiliate Manager innerhalb der OTTO Gruppe, sowie als Spezialist für Affiliate Marketing bei der Deutschen Bahn konnte ich mein Wissen aufbauen und vertiefen, sodass ich heute fast jede Facette des Online Marketings kenne.
Daniel Frerichmann

3 Kommentare zu “Interview zum Affiliate Mentoring mit Uli Roth”

  1. Sascha sagt:

    Die beste berufliche Infrastruktur ist, wenn der Affiliate-Arbeitsplatz „nur 50 m vom Strand entfernt und voll ausgestattet, selbstverständlich auch mit W-Lan“ ist. Ich muss hier Inhouse mal eine Initiative einbringen 😉

  2. Sag‘ Bescheid, wenn Ihr eine Lösung gefunden habt 😉

  3. […] ne Bücher vor und verdiente etwas Provision mit dem Amazon-Partnerprogramm. Ulrich Roth – ihr habt ihn ja auch schon interviewt – coachte mich damals in Sachen Reisepartnerprogramme. Es war zu dieser Zeit noch relativ leicht […]

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