Affiliate Talk mit Karsten Windfelder

Daniel Frerichmann | 29. August 2011 - 20:50 | Kommentare deaktiviert

Heute können wir ein weiteres Interview aus der Reihe “Affiliate Talk” präsentieren, auf das wir besonders stolz sind: Karsten Windfelder, unter anderem Betreiber der Internetseite 100partnerprogramme.de, hat uns einige Fragen zum Affiliate Marketing “gestern und heute” beantwortet.

Karsten ist seit vielen Jahren in der Branche tätig und hat mit seinen Portalen die zentrale Anlaufstelle für Affiliate Marketing in Deutschland geschaffen. Jeder, der in der Branche tätig ist, oder sich über Affiliate Marketing informiert, wird zwangsläufig auf eine seiner Seiten stoßen.

Karsten Windfelder mit Sohn "Affilius"

"Affilius" und Papa Karsten im Piemont-Urlaub in La Morra im Barolo-Weingebiet. Claudia hat das Foto gemacht und ist leider nicht mit drauf.

Deshalb freuen wir uns sehr, dass Karsten Zeit für unseren Affiliate Talk gefunden hat.

1. Hallo Karsten, auch wenn Dich jeder in der Branche kennen sollte, stell’ Dich doch bitte trotzdem noch einmal kurz vor und erzähl’ uns wie Du zum Affiliate Marketing gekommen bist. Wann hast Du gemerkt, dass man davon ganz gut leben kann?

Karsten Windfelder:
Hallo Daniel, ich freue mich, dass ihr mich zu einem Interview eingeladen habt.

Meine ersten Online-Erfahrungen machte ich in den 80er-Jahren mit Bildschirmtext. Ich hatte damals eine eigene Btx-Seite und vermittelte Public-Domain-Software und Shareware. Als dann plötzlich in jeder Computerzeitschrift eine “Heft-CD” klebte, war mein Geschäftsmodell – das Versenden von 5-1/4- und 3-1/2-Zoll Disketten ­– gestorben. 

2002 kam ich dann zum Affiliate Marketing. Auf einer kleinen Website stellte ich selbst gelesene Bücher vor und verdiente etwas Provision mit dem Amazon-Partnerprogramm. Ulrich Roth – ihr habt ihn ja auch schon interviewt – coachte mich damals in Sachen Reisepartnerprogramme. Es war zu dieser Zeit noch relativ leicht, mit wenig Aufwand gute Google-Positionen zu erreichen. So “produzierte” ich zu allen möglichen Reisethemen zigtausend von Unterseiten aller möglicher Destinationen, Autovermietstationen und ähnliches. 

Das alles lief noch nebenberuflich. Tagsüber ein 8-Stunden-Job, der mich langweilte, dann bis in die Nacht rein Affiliate-Seiten bauen. Als die Provisionen mein Haupteinkommen übertrafen, kündigte ich.

2. Sind die Webseiten aus Deinen Anfängen heute noch im Internet oder hast Du Dich irgendwann davon getrennt?

Karsten Windfelder:
Ich habe fast alle Projekte irgendwann aufgegeben. Wenige konnte ich verkaufen, die meisten habe ich einfach eingestellt. Es war die Zeit, als Ulrich Roth mich für die EKS-Strategie begeisterte. “Konzentriere dich auf ein Thema!” und “Werde Spezialist in einem Bereich!” waren Ulis Ratschläge. Ich nahm am EKS-Fernlehrgang teil, um herauszufinden, welches “mein Thema” ist. Es gibt übrigens auch ein Buch, welches einen sehr guten Einstieg bietet. 

Auf jeden Fall vermittelte mir das “Loslassen” von vielen Einzelprojekten ein gutes Gefühl und machte Platz für etwas Neues.

Luganer See

Ausläufer des Luganer Sees bei Ponte Tresa. Linkes Ufer Schweiz, rechtes Ufer Italien.

3. Hast Du es irgendwann mal bereut, dass Du Deinen vorherigen Job gekündigt hast?

Karsten Windfelder:
Auf gar keinen Fall. Ich war als Angestellter im Produktmanagement bei einem ehemaligen Staatsunternehmen tätig. Wegen Unterforderung hatte ich Migräneanfälle und mit dem Kopf war ich mehr und mehr bei meinen Affiliate-Projekten.

Der Unterschied zwischen meinem letzten Job und einer Selbstständigkeit kann größer kaum sein. Auf der einen Seite lange Entscheidungswege – “Das muss die Zentrale in Bonn entscheiden…” – auf der anderen Seite eine schnelle Lernkurve, weil man alles selbst bestimmen und ausprobieren kann. 

4. Wie bist Du auf die Idee zu 100partnerprogramme.de und die vielen anderen Projekte wie zum Beispiel Affiliate People oder die 100ppCharts gekommen?

Karsten Windfelder:
Damals hatte ich zunächst für mich selbst einen Katalog von interessanten Partnerprogrammen angelegt. Irgendwann kam ich darauf, diesen ja auch veröffentlichen zu können. Es sollten zunächst tatsächlich nur “100” Partnerprogramme sein. Inzwischen sind es über 7.000. Mit den 100ppCharts zeigen wir jeden Monat die 100 besten Affiliate-Programme und Neustarts. Die Veröffentlichung eines Rankings lag nahe, da inzwischen eine Unmenge an Daten vorliegt. 

Affiliate-People.de ist das Business-Netzwerk für Leute aus der Affiliate-Branche. Fast 2.000 Affiliate-Manager, Agentur- und Netzwerkmitarbeiter, sowie Publisher sind bereits dabei. Im Vordergrund stehen Affiliate-spezifische Profilfelder, um Kontakte innerhalb der Branche zu vereinfachen.

5.Was denkst Du, sind die klassischen Fehler im Affiliate Marketing und wie können Merchants diese vermeiden?

Karsten Windfelder:
Einige Merchants haben wohl den Begriff “Affiliate Marketing” irgendwo aufgeschnappt und denken, der Betrieb eines Partnerprogramms ist ein Selbstläufer. Dazu ist aber inzwischen die Konkurrenz unter den Programmbetreibern zu groß. Nach einer ausführlichen Analyse der Mitbewerber sollte man heraus arbeiten, was das eigene Partnerprogramm einzigartig machen könnte.

Merchants sollten sich in den wichtigsten Partnerprogrammverzeichnissen listen lassen und auch ansonsten für ihr Programm trommeln. Sonderaktionen sollten mit Bedacht gewählt sein und können einen kurzfristigen Schub bringen. Durchdachte Provisionsmodelle und starke Werbemittel können für einen dauerhaften Erfolg sorgen. 
Kontakt zu und Feedback von den Affiliates ist wichtig. 

Interessant ist, dass unter den erfolgreichen Affiliate-Programmen in den 100ppCharts ungefähr jedes dritte Partnerprogramm von einer Agentur betreut wird. Auf 100partnerprogramme.de stellen wir über 100 Agenturen vor, um die Auswahl zu erleichtern.

6. Wie hat sich Deiner Meinung nach die Branche in den letzten Jahren entwickelt? Ist es heute einfacher Geld im Internet zu verdienen oder wird es immer schwieriger sich mit einem Projekt zu etablieren?

Karsten Windfelder:
Es ist auf jeden Fall schwieriger geworden. Wie vorhin schon erwähnt war es vor Jahren noch recht einfach, Traffic über Google zu generieren. Die Konkurrenz war noch nicht so groß und Google war auch noch nicht so weit wie heute. 
Heutzutage ist die Qualität der Websites höher und der Affiliate benötigt viel mehr Fachwissen als vor ein paar Jahren. Neben professionellen Affiliates, die sich umfangreiches Wissen angeeignet haben, ist aber auch so mancher Nischen-Publisher erfolgreich.  
Heute ist aber auch die Gefahr größer, dass gute Ideen schnell kopiert werden. Neuartige Tools für eine Konkurrenzanalyse machen es möglich.

7. Kommt ein erfolgreicher Affiliate im Jahr 2011 noch an Social Media und Mobile Marketing vorbei?

Karsten Windfelder:
Für einen Massenmarkt im Mobile Marketing fehlen wohl noch Standards. Ich kenne Entwickler die regelmäßig fluchen, weil sie ihre Apps und Anwendungen an viele verschiedene Betriebssysteme und mobile Geräte anpassen müssen. Ich würde sagen, ein Affiliate, der – noch – einen Bogen um Mobile Marketing macht, hat keine großen Nachteile. Wer sich andererseits schon jetzt ausführlich damit beschäftigt, hat gute Möglichkeiten.

Für wichtiger halte ich Social Media, Affiliates sollten hier auf den angesagten Plattformen wie Twitter und Google+ Flagge zeigen und sich engagieren. 
Im Vordergrund sollte hier nicht unbedingt der direkte Lead oder Sale stehen, sondern der Aufbau eines Expertenstatus in einem Fachgebiet. Das Geschäft kommt dann von ganz alleine.

8. Was hältst Du von Trends wie Retargeting und Real-Time-Bidding und gehören diese überhaupt ins Affiliate Marketing?

Karsten Windfelder:
Die Frage ist doch immer, in welchem Verhältnis Aufwand und Nutzen stehen. Zuerst einmal sollte eine Affiliate-Website nach allen Regeln der Kunst SEO-optimiert sein und vor allem dem User Nutzen bieten und seine Probleme lösen. Erst wenn der Traffic eine gewisse Höhe erreicht hat kann es Sinn machen, die Werberelevanz mittels Retargeting zu steigern.

Real-Time-Bidding ist etwas für SEM-Spezialisten. Mit Google AdWords und Konsorten haben sich schon manche Affiliates die Finger verbrannt. Man muss schon einiges an Geschäft durchschieben und viel Erfahrung haben, um eventuelle spätere Stornoquoten einschätzen zu können.

100partnerprogramme.de

Blick von der 100partnerprogramme-Büroterrasse auf den Lago Maggiore.

9. Seit gut einem Jahr wohnst Du in der Schweiz. War das ein Jugendtraum oder hast Du es einfach in Deutschland nicht mehr ausgehalten?

Karsten Windfelder:
Wir sind sehr glücklich hier. Schon vor zehn Jahren träumten wir tatsächlich davon, morgens das Fenster aufzumachen und in die Berge zu schauen. Wir wandern gerne und genießen das warme Klima im Tessin, der italienischen Schweiz. Es gibt tolle Musik-Festivals, guten Wein, die Menschen sind sehr freundlich, alle sind extrem kinderlieb und in 20 Minuten ist man in Italien.

Aber ja, wenn du es schon ansprichst… Ich habe es in Deutschland auch ganz einfach nicht mehr ausgehalten. Kurz gesagt – wir fühlen uns aus vielen Gründen außerhalb der EU einfach wohler. Wer will denn schon einen europäischen Superstaat übergestülpt bekommen?

Unser kleiner “Affilius” wird nun zweisprachig – deutsch und italienisch – aufwachsen. 
Wir waren in der glücklichen Situation, unsere Online-Jobs einfach mit in den Umzugswagen zu packen. Aber da sind wir in der Affiliate-Branche ja nicht die einzigen.

10. Wie können wir uns einen klassischen Tag bei Dir vorstellen? Hast Du noch einen konkreten Ablauf mit Tagesgeschäft oder machst Du das, was Dir Spaß macht (vielleicht ist das ja sogar das Tagesgeschäft ;-))

Karsten Windfelder:
Gute Frage! Den klassischen Tagesablauf gibt es tatsächlich nicht. Nach Studium und teilweiser Umsetzung des Buches “4-Stunden-Arbeitswoche” von Tim Ferris und Elternzeit mit dem “Affilius” habe ich gewisse Freiräume schätzen gelernt. 

Als Vermittler zwischen den verschiedenen Parteien im Affiliate Marketing ist es mir sehr wichtig, sehr schnell auf Mails zu reagieren. So beginnt der Tag mit dem Bearbeiten und Beantworten von Anfragen von Affiliate-Agenturen und Merchants. Daneben arbeite ich an einer qualitativen Weiterentwicklung von 100partnerprogramme.de. Gerade sind wir dabei, die Präsentation der Affiliate-Netzwerke zu verbessern und stark zu erweitern. Konzentriert arbeiten kann man allerdings oft erst nachts, wenn der “Affilius” schläft. Kurz gesagt – die Arbeit muss gemacht werden. Manchmal zu unmöglichen Tageszeiten oder an ungewöhnlichen Orten mit Laptop und USB-Stick.

11. Wir vermissen Dich auf den Branchen Events. Bist Du noch oft in Deutschland oder so wie Uli Roth nur dann, wenn es sich nicht vermeiden lässt? Wird man Dich zum Beispiel auf der dmexco im September treffen?

Karsten Windfelder:
Tatsächlich sind wir nur noch selten in Deutschland. Zur dmexco gibt es eine Terminüberschneidung, aber wir planen zur Affiliate Conference 2011 Anfang Oktober nach München zu kommen.

Affilius Windfelder

Der Affilius auf Bergtour in der Schweiz. Hier erkundet er das Gelände in der Nähe der Rheinquelle im Kanton Graubünden.

12. Wie geht es dem “Affilius” und wann können wir mit seinem ersten Projekt rechnen?

Karsten Windfelder:
Dem “Affilius” geht es bestens. Mit seinen 21 Monaten interessiert er sich nun langsam für den Computer. Er ist stolz, seine Erlebnisse in Form von Bildern und Videos auf einem der Macs Revue passieren zu lassen.

Der Kleine beansprucht mit Recht unsere Aufmerksamkeit. So schön es ist, von zu Hause aus zu arbeiten, so wichtig ist es auch, dass wir Eltern im Wechsel mit ihm zum Spielplatz gehen, damit entweder Claudia oder ich in dieser Zeit konzentriert arbeiten können. Aber das klappt sehr gut und ab Mitte September haben wir einen Platz im “Mini-Nido” (italienisch für “kleines Nest”) für zwei Nachmittage. So kommt er unter andere Kinder, kann italienisch lernen und wir bekommen wieder etwas mehr Ordnung in den Tagesablauf.

2025 soll der “Affilius” 100partnerprogramme.de übernehmen. Aber bis dahin ist noch viel Zeit und vielleicht hat er ja auch ganz andere Interessen. Das werde ich ganz ihm überlassen.

13. Zum Abschluss noch eine wichtige Fachfrage: Mainz 05 steht derzeit an der Tabellenspitze, mit welcher Platzierung rechnest Du zum Ende der aktuellen Saison?

Karsten Windfelder:
Oh, die wirklich wichtigste Frage hast du dir bis zum Schluss aufgehoben ;-) Puuuuh, die Saison ist noch lang. Ein Platz unter den Top-10 wäre schön. Die 05er sind immer für Überraschungen gut, haben aber mit Schürrle, Holtby und Fuchs drei wichtige Stammspieler abgeben müssen. Ich hoffe, dass Anthony Ujah sich in der Bundesliga etablieren kann und das eine oder andere Tor schießen wird. 

An dieser Stelle noch einmal vielen Dank für die ausführlichen und ehrlichen Antworten. Wir treffen Karsten dann ja hoffentlich auf der Affiliate Conference 2011 in München am 06. Oktober und können dort noch einmal persönlich über die Chancen von Mainz in der Fußball Bundesliga diskutieren ;-)

Autoreninfo
Ich verfüge über langjährige Erfahrungen im Online Marketing mit Spezialisierung auf das Affiliate Marketing. Als Key Account Manager in einer Hamburger Online Marketing Agentur, als Affiliate Manager innerhalb der OTTO Gruppe, sowie als Spezialist für Affiliate Marketing bei der Deutschen Bahn konnte ich mein Wissen aufbauen und vertiefen, sodass ich heute fast jede Facette des Online Marketings kenne.
Daniel Frerichmann
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